Dalton Highway

 

September 2017 - Dalton Highway

 

 

Meine Alaskareise im August/September 2017 war leider zu großen Teilen durch ziemlich bescheidenes Wetter geprägt. Daher habe ich einige geplante Touren gestrichen, da ich wenig Sinn darin sah, bei tiefhängenden Wolken und Regen z.B. eine ganztägige Tour im Prince William Sound zu unternehmen. So war ich dann deutlich früher als geplant plötzlich in Fairbanks, nur eine halbe Tagestour von Denali National Park entfernt. Aber ich musste noch einige Tage warten, bevor ich auf meinen reservierten Campground im Denali National Park durfte.

 

Spontane Entscheidung

 

Das war aber auch die Chance für mich, mir meinen heimlichen Wunsch zu erfüllen, und ein paar Tage „on the road“ zu sein, um auf dem Dalton Highway zur Prudhoe Bay am Polarmeer zu fahren. Natürlich würde es bedeuten, ein paar Tage überwiegend im Auto zu sitzen und Meilen zu fressen, aber wann käme ich schon mal wieder zum Polarmeer? Und nun hatte ich unerwartet ein paar Tage zur Verfügung, also was sollte mich aufhalten?

 

Das Wetter war zwar auch auf dem Weg nach Fairbanks nicht gut gewesen, sollte aber die nächsten Tage etwas besser werden. Immerhin konnte ich in Fairbanks mal wieder richtig Einkaufen und meine Vorräte auffüllen. Das war auch dringend notwendig, denn auf dem Dalton Highway gibt es kaum Möglichkeiten einzukaufen.

 

Am nächsten Morgen schien die Sonne in Fairbanks, also wenn das kein Zeichen sein sollte.

 

 

 

 

Reicht das Benzin?

 

Etwas Gedanken machte ich mir über das Tanken, denn die längste Strecke ohne Tankstelle wäre von Coldfoot nach Prudhoe Bay mit ca. 250 Meilen aber mit dem Atigun Pass dazwischen. Mein Pickup-Camper war ja beim Benzinverbrauch nicht gerade ein sparsames Fahrzeug. Auf asphaltierten und nicht allzu bergigen Straßen würde ich problemlos mit den „angeblich“ 35 Gallonen im Tank diese Entfernung schaffen. Von Whitehorse nach Dawson, auf einer relativ ebenen Strecke mit 340 Meilen, hatte ich 105 Liter (ca. 28 Gallonen) gebraucht. Aber ich habe auch gemerkt, dass der Verbrauch schnell steigt, wenn es bergig wird, denn der Pickup-Camper ist kein Leichtgewicht. Außerdem war mir nicht klar, ob ich vielleicht teilweise 4WD brauchen würde, was den Verbrauch nochmals in die Höhe treiben würde. Ein Reservekanister kam für mich nicht in Frage (war auch verboten), denn 5 Liter würden mir nicht viel helfen, und wohin mit einem 20 Liter Kanister?

 

Mein Plan war daher, dass ich von Coldfoot soweit fahren würde, bis der Tank nur noch halbvoll ist, und dann entscheiden, ob ich weiter nach Norden fahre, oder zurück nach Coldfoot. Um es kurz zu machen, der Verbrauch war kein Problem. Aber bei schlechteren Straßenbedingungen (Matsch) hätte ich 4WD gebraucht, und dann sähe die Sache vielleicht anders aus.

 

 

 

 

Start bei Sonnenschein

 

Bei schönem Sonnenschein startete ich, und die ersten 80 Meilen führten auf Asphalt nach Livengood durch schönen herbstlichen Wald. Dort beginnt der Dalton Highway mit ca. 400 Meilen bis Deadhorse bzw. Prudhoe Bay. Die meiste Zeit begleitet einen die Alaska-Pipeline, die sich auch manchmal ganz fotogen in der Landschaft darstellt. Manchmal verläuft sie auch unterirdisch oder in weiterer Entfernung vom Highway. Wann immer ich direkt zur Pipeline hingekommen bin (ist oft verboten), dann gab es parallel zu ihr eine Piste für die Service-Fahrzeuge. Es gibt also noch so etwas wie einen zweiten Dalton Highway.

 

 

 

Sobald das Gelände etwas hügeliger und bergiger wurde, wechselte sich der Sonnenschein mit teilweise starkem Nebel ab. Immer wenn ich bei miserabler Sicht im Nebel dahin kroch, wartete ich darauf, dass ich bald wieder in die Sonne kommen würde. Aber leider war es mit Sonne recht bald vorbei. Der Nebel verschwand zwar, aber dafür gab es dann eine Art Hochnebel bzw. eine Wolkendecke, so dass keine Sonne mehr durchkam – leider. Ich fand die Strecke recht abwechslungsreich und der gemischte Wald aus Espen und Nadelbäumen ergab etwas herbstliche Farbmischung.

 

Yukon Crossing (Mile 56)

 

 

 

Mein erster Stopp war bei Yukon Crossing (Mile 56), einer Kneipe mit Tankstelle nachdem man den Yukon überquert hatte. Ich tankte wieder voll – sicher ist sicher – auch wenn der Preise mit über 5 US$ pro Gallone etwas unverschämt war. Gegenüber der Tankstelle war eine kleine Ranger Station, die wohl in erster Linie dafür da ist, den Touris eine Urkunde in die Hand zu drücken, wenn sie zum Arctic Circle fahren wollten, oder dort waren. Die Rangerin war fast beleidigt, weil ich keine Urkunde haben wollte, obwohl ich doch bis nach Prudhoe Bay fahren würde, also bis weit nördlich des Polarkreises.

 

Das nächste markante Ziel war dann der Polarkreis (Arctic Circle) bei Mile 115. Es gab doch etliche Leute, die nur im Eiltempo hierher gefahren sind, um ein Selfie neben dem Schild zu machen, und dann zurück zu fahren. Wahrscheinlich holten sie sich noch die Urkunde ab, wenn sie davon wussten. Ich durfte ein paar Leute neben dem Schild fotografieren, und auch über die Info zur Urkunde waren sie sehr dankbar.

 

 

 

 

Coldfoot (Mile 175)

 

Für mich ging es aber weiter nach Coldfoot (Mile 175), wo dann die letzte Tankstelle vor Prudhoe Bay wäre. In Coldfoot gibt es auch einen Campground und ein Motel, aber dafür war es mir zu früh. Also vollgetankt und weiter nach Wiseman, einem kleinen Ort ein paar Meilen weiter nördlich. Viel gibt es dort nicht zu sehen, nur ein paar skurrile Häuser und Hütten der wahrscheinlich ebenso skurrilen Bewohner dieses Kaffs.

 

 

 

Dann wird es bergiger und der Dalton Highway überquert die Brooks Range auf dem Atigun Pass (Mile 244). Hier oben lag etwas Schnee und die Piste war auch recht matschig. Ab hier war der Matsch ständiger Begleiter und der Camper war bald schön gleichmäßig mit einer braunen Schlammschicht bedeckt. Nördlich des Atigun Passes ist bald nur noch Tundra und Bäume sieht man kaum noch. Trotzdem hat dieses Gebiet seinen Reiz, auch weil sich die Herbstfärbung schon deutlich zeigte – nur etwas Sonne hätte ich gerne gehabt.

 

 

 

 

 

 

 

Übernachtung am Galbraith Lake (Mile 275)

 

Ich suchte mir aber erstmal am Galbraith Lake (Mile 275) einen Platz zum Übernachten. Hier sollte es eine Art Campground geben, der aber im Wesentlichen nur aus einer Toilette bestand – immerhin. Ich war alleine dort, aber am Morgen stellte ich fest, dass in der Nacht noch ein Auto dazu gekommen war.

 

Vom Galbraith Lake waren es 140 Meilen nach Deadhorse und 100 Meilen zurück nach Coldfoot. Es war also Zeit den Tankinhalt zu checken und zu entscheiden, ob ich weiterfahre oder umkehre. Seit Coldfoot war ich mit Umwegen (Wiseman, Galbraith) etwa 115 Meilen gefahren und hatte noch etwas mehr als die Hälfte im Tank. Da nach Norden kein Pass mehr kommen würde, war ich doch zuversichtlich, dass ich die 140 Meilen mit dem restlichen Tankinhalt schaffen sollte.

 

Tundra und Moschusochsen

 

Also ging es am nächsten Morgen weiter gen Norden durch eine flache, weite Tundra-Landschaft, und die einzige nennenswerte Erhebung war die Brooks Range im Süden. Bei der Last Chance Wayside (Mile 355) sah ich ein kleines Toilettenhäuschen und steuerte darauf zu. Auf einer kleinen Anhöhe neben dem Parkplatz bewegte sich etwas, und ich traute meinen Augen nicht, als ich dort 3 Moschusochsen sah. Ich trat in die Bremse, sprang aus dem Wagen Griff zur Kamera und zum Tele und lief trotz nasser Wiese in Crocs den Hang zum Hügel rauf. Der Hügel war nur 10 - 15 m hoch, und auf dem letzten Hangstück wurde ich vorsichtiger, um die Moschusochsen möglichst nicht zu vertreiben. Die Tiere bewegten sich zwar von mir weg, aber sie flohen nicht. Ich ging vorsichtig unterhalb der Anhöhe entlang, um die Tiere von vorne sehen zu können. Die Tiere bemerkten mich zwar, bewegten sich aber langsam grasend in die Richtung, aus der ich gerade gekommen war. Also ging ich wieder vorsichtig zurück. Unterhalb der Anhöhe wartete ich darauf, dass die grasenden Moschusochsen in meine Richtung kommen würden – sehen konnte ich sie nicht. Dann sah ich plötzlich 3 riesige Köpfe, die sich in meine Richtung bewegten. Leider war bei den grasenden Tieren aber nur der obere Kopfteil zu sehen. Ich richtete mein (schwaches) Tele auf einen dieser Köpfe, und siehe da, der Moschusochse tat mir den Gefallen und schaute direkt in mein Tele. Ich war begeistert. Erst als ich die Kamera kurz vom Auge nahm, sah ich, dass alle 3 Moschusochsen mich anschauten – Wahnsinn. Dann überlegten sie es sich aber doch anders, drehten sich um und galoppierten mit wehendem Fell davon. Ich wusste mein Glück kaum zu fassen, diese seltenen Tiere in freier Wildbahn so nahe sehen zu dürfen. Die Tiere waren keine 10 m von mir entfernt gewesen.

 

 

 

 

 

Als Fotograf ist man ja nie so richtig mit seinen Fotos zufrieden, und natürlich stört mich auch, dass durch meinen niedrigen Standort, Grashalme das Gesicht des Moschusochsen teilweise verdecken. Aber das Erlebnis bleibt unvergesslich.

 

Deadhorse – ein matschiges Ersatzteillager

 

Beschwingt fuhr ich weiter, aber auf den letzten 30 Meilen vor Prudhoe Bay wurde die Fahrt dann doch zur Qual. Ständige Baustellen mit Pilot Cars und langen Wartezeiten, immer dichterer LKW-Verkehr und immer matschiger Boden, auch weil die Piste wegen der Bauarbeiten gewässert wurde. Trotzdem muss ich noch ein dickes Lob für die LKW-Fahrer auf dem Dalton Highway aussprechen, denn wann immer mir ein LKW entgegen kam, fuhr er an den äußersten rechten Straßenrand und ging deutlich mit der Geschwindigkeit runter. Ich habe nie einen einzigen Stein oder ein Steinchen gegen den Wagen oder gar die Scheibe bekommen. Das kenne ich von Islands Schotterstraßen leider ganz anders.

 

 

 

 

 

Dann war es geschafft, und ich fuhr in Deadhorse ein. Deadhorse ist eigentlich keine Ortschaft, sondern im Grunde genommen ein einziges großes Lager für alle möglichen Ersatzteile, die bei der Ölförderung benötigt werden. Es gibt mehrere Hotels, die wie aus Containern zusammengebaut ausschauen, aber jemand der dort wohnte, erzählte mir, dass es Innen recht komfortabel ist. In Deadhorse sind die Straßen nicht asphaltiert, und es war nicht so einfach, beim Aussteigen aus dem Auto durch diese Matschwüste zu kommen. Zum Glück musste ich nur zum Tanken aussteigen.

 

Das Tanken war sehr speziell, wahrscheinlich damit alles winterfest ist. Da wohl überwiegend Ölarbeiter mit einer speziellen Karte bezahlen, gelang es mir nur mit Hilfe eines solchen Arbeiters mit Kreditkarte zu bezahlen. Dann kam der Schreck, als nach 15 Gallonen Schluss war. Aber diesmal gelang es mir auch irgendwie alleine ein zweites Mal mit Karte zu bezahlen, um den Wagen doch noch volltanken zu können.

 

Von Deadhorse kommt man nicht weiter, da alles Sperrgebiet ist. Man könnte mit 24 Stunden Vorlauf (Sicherheitsgründe) eine Tour zum Polarmeer buchen, aber das hatte ich nicht vor und wahrscheinlich gab es diese Touren so spät im Jahr auch nicht mehr. Also die Prudhoe Bay habe ich nie gesehen, die ist 5 km nördlich von Deadhorse. Aber der Weg ist das Ziel.

 

Rückfahrt, teils mit Sonnenschein

 

Da es erst Mittag war, machte ich mich auf den Rückweg. Es klarte ein wenig auf, ohne dass die Sonne durchkam, aber ich machte ein paar Fotos in der Tundra.

 

 

 

 

Am späten Nachmittag war ich wieder in Coldfoot und konnte erneut auftanken. Der Campground reizte mich nicht, und er hatte auch nichts zu bieten. Ich wäre auch alleine dort gewesen. Also fuhr ich weiter nach Süden, um nach einem geeigneten Platz für die Übernachtung zu finden. Am Koyukuk River wurde ich fündig, und eine Toilette gab es dort auch noch.

 

 

 

Am nächsten Morgen wachte ich bei strahlendem Sonnenschein auf. Beim Frühstück ging mir dauern der Gedanke durch den Kopf, nochmal Richtung Norden zu fahren. Das Foto, dass ich mir vom Dalton Highway vorgestellt hatte, hatte ich leider nicht machen können: Der Dalton Highway, der von der Brooks Range hinab in die Weite der in Rottönen bunt leuchtenden Tundra führt, begleitet von der sich hinab schlängelnden Alaska-Pipeline. Gerne auch von der anderen Seite, mit der schneebedeckten Brooks Range im Hintergrund.

 

Aber mein Verstand sagte mir, dass spätestens ab dem Atigun Pass wohl Schluss mit Sonne wäre, also hörte ich auf zu träumen. Aber auch die Fahrt nach Süden war jetzt bei Sonnenschein doch um einiges schöner als auf dem Hinweg.

 

 

 

 

 

Zurück in Fairbanks

 

Durch die vielen Fotostopps kam ich deutlich später als gedacht nach Fairbanks. Es gab eine manuelle Auto-Waschanlage auf dem Campground, und ich musste viele, viele Quarters einwerfen, bis ich den Wagen soweit von der verkrusteten Schlammschicht befreit hatte, dass nicht immer noch braune Sauce aus irgendwelchen Ritzen floss. Anfangs unterhielt ich mich ganz angeregt mit einem Motorradfahrer, der das gleich Problem mit seinem Motorrad hatte, da er auch auf dem Dalton Highway unterwegs war. Als er aber hörte, dass ich Deutscher bin, wurde es unangenehm, denn er gehörte zu den Anhängern von Verschwörungstheorien. Er fragte mich, ob ich auch etwas gegen Hitler hätte, wenn es gar keine KZs und keine Juden-Vergasung gegeben hätte. Da ich nicht unhöflich werden wollte, erklärte ich meinen Wagen für sauber und zog ab. Außerdem musste als nächstes auch meine Kleidung in die Wäsche, die ich beim Waschen des Wagens angehabt hatte, denn durch das Abspritzen des Schlamms, war vieles davon auf meiner Kleidung gelandet.

 

Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf den Weg zum Denali National Park. Ich war immer noch etwas zu früh dran, um schon auf meinen Campground zu können, aber irgendetwas könnte ich im Park sicher schon unternehmen.

  

 

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