Point of the Arches

 

Mai 2011 - Point of the Arches

 

Im Oktober 2009 war ich zum ersten Mal im Olympic Nationalpark und fuhr auch einen Nachmittag zum Shi Shi Beach und wanderte dort zum Point of the Arches. Schon die Bilder im Internet, die ich gesehen hatte, als auch die Eindrücke bei meinem Besuch am Nachmittag beeindruckten mich – was für eine faszinierende, raue Felsküste am Pazifik. Ich war mir sicher, dass ich hierher noch einmal kommen müsste, um bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang diese eindrucksvolle Pazifikküste fotografieren zu können. Aber dafür war einige Vorbereitung notwendig, weil ich am Strand zelten müsste. Vom Parkplatz am Trailhead dauert die Wanderung doch mehr als 2 Stunden, wovon das erste Teilstück durch Regenwald und das zweite Teilstück am Strand entlang führt.

 

Im Mai 2011 wollte ich wieder in den Nordwesten der USA reisen, und dieses Mal nahm ich alles mit, was man zum Trekking braucht: Zelt, Schlafsack, Rucksack, Kocher usw. Leider war das Wetter im Westen der USA fast im ganzen Mai sehr schlecht, mit viel Regen und kalten Temperaturen, so dass ich meine Pläne schon platzen sah. Als der Wetterbericht aber eine 4-tägige Unterbrechung des Regens vorhersagte, mit überwiegend sonnigen Tagen, ging ich kurzentschlossen meine Wanderung an.

 

Von Portland/Oregon startete ich am Morgen nach Port Angeles am östlich Rand des Olympic Nationalpark. Bei den Rangern im Visitor Center des Nationalparks besorgte ich mir ein Permit für 3 Übernachtungen am Shi Shi Beach. Ich wollte nur 2 Nächte bleiben, aber wenn das Wetter nicht mitspielt, wollte ich die Möglichkeit haben, länger zu bleiben. Vor allem musste ich mir aber auch einen bärensicheren Behälter für die Nahrungsmittel ausleihen. Solch ein Behälter ist Pflicht im Backcountry zur Aufbewahrung des Essens, aber auch für parfümierte Dinge, wie Zahnpasta und Seife. Die Behälter sind leider ziemlich groß und klobig, und sie nehmen sehr viel Platz im Rucksack weg – aber Sicherheit geht vor. Die Rückgabe der Behälter kann auch bei jedem anderen Office des Nationalparks geschehen, so dass man nicht den gleichen Weg aus dem Nationalpark nehmen muss. Diese Erledigungen gingen alle recht schnell, weil ich anscheinend der einzige war, der in dieser Jahreszeit und in der Mitte der Woche, für die Gegend ein Permit zum Campen haben wollte.

 

 

Ich hatte das Permit nicht gleich für den nächsten Tag besorgt, sondern verbrachte erst noch 2 Nächte in Forks, einem der wenigen Orte im Olympic Nationalpark. Einerseits wollte ich Second und Third Beach wieder mal einen Besuch abstatten, anderseits aber auch noch abwarten, bis das vorhergesagte gute Wetter kommt. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich uninformiert bin, was es mit Forks und den Twilight-Filmen bzw. Romanen auf sich hat, aber es geht um Vampire. Vampire scheuen das Sonnenlicht, und daher ist Forks, als der Ort mit der höchsten Niederschlagsmenge in den USA, wohl ein geeigneter Aufenthaltsort für diese Wesen. Ich hatte aber Glück, weil ich erstens keine Vampire traf und zweitens das Wetter auch relativ gut war, so dass ich an den nahe gelegenen Pazifikstränden fotografieren konnte.

 

Nach der zweiten Nacht in Bagbys Town Motel Forks brach ich auf, um über Neah Bay im Reservat der Makah Indianer zum Shi-Shi Beach Trailhead zu fahren. Kurz vor Neah Bay machen Schilder die Besucher darauf aufmerksam, dass man sich im Reservat befindet, und was es zu beachten gibt. Von meinem früheren Besuch wusste ich schon, dass man sich ein Recreational Use Permit für 10 US$ besorgen sollte, wenn man das Reservat besucht. Man erhält es in dem kleinen Ort Neah Bay an verschiedenen Stellen, so auch an der Tankstelle des Ortes.

 

      

 

Das Permit gilt zwar ein ganzes Jahr, aber die wenigsten werden das wohl ausnutzen können. Mit dem Permit erhält man auch eine einfache Karte, die Wegbeschreibungen zu den touristischen Highlights des Reservats enthalten. Das sind in erster Linie Cape Flattery an der nordwestlichsten Ecke der USA und der Shi Shi Beach, der allerdings im Olympic Nationalpark liegt, aber nur über das Reservat zu erreichen ist.

 

An der Grenze zwischen Reservat und Olympic National Park ist zwar ein kleiner Parkplatz am Trailhead, aber über Nacht darf und sollte man den Wagen dort nicht stehen lassen. Es wird geraten, den Wagen auf dem Privatgelände von in der Nähe wohnenden Indianerfamilien abzustellen, was zwar pro Nacht 10 US$ kostet, aber dafür ein sicherer Ort für den Wagen ist. Das letzte Haus vor dem Trailhead, etwa ¼ Meile entfernt, gehört Donna Wilkie, wo ich meinen Wagen neben ein paar anderen geparkten Fahrzeugen abstellte. Ähnlich wie auf manchen Campgrounds, funktioniert das mit self-registration, d.h. man schreibt die Daten der Tage die man parken will und das Fahrzeugkennzeichen auf einen bereitgestellten Briefumschlag und steckt den entsprechenden Geldbetrag hinein. Weder beim Parken noch beim Abholen des Wagens bekam ich jemals einen der Bewohner zu sehen.

 

Nachdem ich meinen ca. 25 kg schweren Rucksack geschultert hatte, marschierte ich los. Zuerst folgte ich der Teerstraße bis zum Trailhead, dann ging es auf dem Trail durch den Regenwald. Der sehr guten Übersichtskarte der Nationalparkverwaltung zu „Wilderness Campsite Information“ kann man entnehmen, dass etwa nur 5 Meilen bis zum Point of the Arches zu wandern sind, daher machte mir der doch sehr schwere Rucksack nicht so viel aus.

 

 

Der Trail im Regenwald geht teilweise auf Holzplanken entlang, aber je näher man zum Shi Shi Beach kam, desto schlammiger wurde der Trail, weil es in den letzten Tagen doch sehr viel geregnet hatte. Ich war froh, dass ich meine Wanderstöcke dabei hatte. Bei den Versuchen mit dem schweren Rucksack halbwegs trocken durch den Schlamm zu kommen, waren die Stöcke doch eine große Hilfe, um über glitschige Holzstücke zu balancieren.

 

Nach etwa 2 Meilen im Regenwald, hat man erste Ausblicke auf den Pazifik bzw. die Küste, bevor es dann ca. 70 m steil hinab zum Shi Shi Beach geht. Ab dann wandert man am Strand entlang, immer auf der Suche nach etwas festerem Untergrund, weil das Gehen im Sand mit dem Gepäck doch sehr anstrengend ist. Hinter dem recht breiten Strand stieg das Gelände gleich steil und bewaldet an, und mir war nicht so recht klar, wo man eigentlich gefahrlos sein Zelt aufbauen konnte. Am angespülten Strandgut konnte man erkennen, dass bei Flut das Wasser doch fast den gesamten Strand bedeckt. Ich hatte vergessen, die Park Ranger zu fragen, wie ich einen geeigneten Zeltplatz auswählen sollte, aber bald klärte sich die Frage von alleine. An der bewaldeten, steilen Küste hinter dem Strand sah ich eine Boje an einem Baum hängen, und beim näheren Hinsehen erkannte ich, dass auf zwei kleinen Terrassen im Wald Plätze für Zelt und Feuerstelle eingerichtet waren. Auf dem weiteren Weg sah ich öfter solche markierten Plätze, wo man manchmal ein oder auch viele Zelte vor der Flut sicher aufbauen konnte.

 

Ich suchte mir einen Platz aus, wo nur ein Zelt hinpasste, denn ich wollte gerne alleine sein, falls später doch noch weitere Camper auftauchen würden. Etwas unterhalb des Zeltes war eine Feuerstelle, wo ich mein Essen zubereitete und auch den bärensicheren Behälter verstaute - in sicherer Entfernung vom Zelt, falls irgendwelche Tier durch die Essengerüche angelockt werden sollten.

 

 

In der Nähe war der Petroleum Creek, ein kleiner Fluss dessen Wasser man behandelt trinken konnte. Die Farbe des Wassers war zwar braun, aber ich hatte gelesen, dass die Farbe durch Tannine hervorgerufen wurde. Warum sollte etwas, das beim Rotwein als Qualitätskriterium angesehen wird, nicht auch beim Wasser gut sein?

 

Nachdem mein Zelt aufgebaut und eingerichtet war und der bärensichere Behälter in 50 ft Entfernung vom Zelt verstaut war, machte ich mich zu meiner ersten Erkundungstour zum Point of the Arches auf, der noch etwa eine halbe Meile entfernt war. Es war Nachmittag und die Flut war nahe ihres Maximums, daher konnte man auch nicht weiter nach Süden als bis zum Point of the Arches, denn dort stand alles unter Wasser. Am Strand lag ein angespülter, toter Seehund, dem man eigentlich keinerlei Verletzungen ansah. Als ich mir den Seehund interessiert betrachtete, rief mir jemand aus einiger Entfernung ein Hello zu. Es war ein Park Ranger und ich dachte, er wollte mein Permit kontrollieren, das ich aber am Zelt hingehängt hatte. Aber der Ranger suchte nur etwas Abwechslung und einen Gesprächspartner, da er schon seit einigen Stunden darauf wartete, dass die Flut soweit zurück geht, dass es weiter nach Süden wandern könnte. Der Ranger hieß Pablo, kam ursprünglich aus Hawaii und arbeitet jetzt im Olympic Nationalpark. Er wollte eine mehrtägige Küstenwanderung machen, um zu überprüfen, wie sich nach dem Winter die Bedingungen für diese im Sommer sehr beliebte Tour verändert haben. Am Lake Ozette würde ihn dann ein Kollege mit dem Wagen abholen. Derselbe Kollege hatte ihn wohl auch zu einer solch ungünstigen Zeit zum Trailhead gebracht, dass er eben nun mehrere Stunden wegen der Flut nicht weiter konnte. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit, aber dann wollte ich zurück zum Zelt, um etwas zu essen, damit ich rechtzeitig vor Sonnenuntergang wieder zurück zum Fotografieren kommen könnte. Auf meinem Weg zurück zum Zelt, schreckte ich ein paar Möwen und einen Weißkopfadler auf, die sich über irgendein verendetes Tier am Strand hermachten.

 

Zum Sonnenuntergang fotografierte ich intensiv am Point of the Arches. Es war Ebbe, und dann steigen langgezogene Felskanten aus dem Wasser, die einen schönen Vordergrund für die Arches bieten.

 

 

Leider ging die Sonne um diese Jahreszeit doch etwas zu weit im Nordwesten unter und nicht hinter den Arches.

 

 

Ich war die meiste Zeit alleine, bis auf ein Ehepaar, das am Nachmittag einen benachbarten Campground bezogen hatte und kurz zum Sonnenuntergang auf einem Strandspaziergang vorbei kam. Als ich zurück beim Zelt war, war es schon dunkel und ich ging gleich schlafen, weil ich natürlich zum Sonnenaufgang wieder fotografieren wollte. Mir war etwas mulmig zumute, weil ich wusste, dass die Temperaturen in der Nacht fast bis auf den Gefrierpunkt sinken würden, meine Ausrüstung aber nicht für solche Temperaturen gedacht war. Ich zog also die meiste Kleidung, die ich dabei hatte, für die kalte Nacht an.

 

Ich war nicht unglücklich, als um 4:30 Uhr mein Wecker klingelte, denn mir war doch recht kalt geworden und ich hatte eine unruhige, fröstelnde Nacht verbracht. Jetzt konnte ich aufstehen und mich bewegen, dann würde mir auch wieder wärmer werden.

 

 

Leider zog am Morgen leichter Nebel auf und die Sonne fand erst weit nach Sonnenaufgang ihren Weg durch die Wolken, als das Licht nicht mehr ideal war. Ich ging zurück zum Frühstücken.

 

 

Als gegen 10:00 Uhr die Sonne den Nebel vertrieben hatte brach ich auf, um den Nordteil des Shi Shi Beach zu erkunden, denn dort sollten einige interessante Felsformationen und auch Tide Pools sein. Also lief ich die ca. 2 Meilen bis zu dem Ort, wo der Trail zum Strand runter kommt und noch etwas weiter bis zu den Felsen.

 

 

Da war aber auch schon Schluss, denn trotz Ebbe wäre es eine waghalsige Kletterei auf den Felsen geworden, um noch weiter nach Norden vordringen zu können. Es gab auch ein paar schöne Tide Pools mit vielen Seesternen.

 

 

In einer kleinen Bucht entdeckte ich noch 2 andere Camper, die dort mutig ihr Zelt am Strand aufgebaut hatten – es war aber trocken geblieben. Nach ein paar Stunden, als die Flut langsam aufkam, ging ich zurück zum Zelt, und da ich wegen der fröstelnden Nacht recht müde war, legte ich mich bei den jetzt angenehmen Temperaturen noch einmal zum Schlafen ins Zelt. Ich schlief fast 3 Stunden lang.

 

Am Abend gab es wieder dieselbe Prozedur wie am Vortag. Erst machte ich mir was zu essen, dann ging es erneut zum Sonnenuntergang zum Point of the Arches. Diesmal war ich nicht alleine, denn 2 Fotografen aus Colorado waren auch vor Ort.

 

 

Die folgende Nacht war etwas angenehmer, weil ich mich noch wärmer angezogen hatte, und zum Sonnenaufgang traf ich wieder auf einen der beiden Fotografen aus Colorado. Dieses Mal war besseres Licht, aber der Sonnenuntergang ist die bessere Zeit zum Fotografieren.

 

 

 

Ich sah keinen Sinn mehr darin, noch eine weitere Nacht zu bleiben, also baute ich mein Zelt ab und packte meinen Rucksack. Gegen 10:00 Uhr machte ich mich auf den Rückweg. Ich hatte beim Hinweg nicht auf die Zeit geachtet und war jetzt überrascht, dass ich nach knapp 2 Stunden schon am Trailhead Parkplatz war. Dann noch eine Viertelstunde entlang der Straße, und ich war wieder bei meinem Wagen. Dort standen jetzt einige Fahrzeuge mehr geparkt, wohl auch weil Freitag war und einige übers Wochenende wandern gingen.

 

Auf der Rückfahrt besuchte ich noch kurz Cape Flattery, und gegen 16:00 Uhr gab ich im Visitor Center des Olympic Nationalpark in Port Angeles meinen bärensicheren Behälter wieder ab. Obwohl jetzt einiges los war, und mehrere Leute Permits fürs Wochenende haben wollten, erkannte mich der Ranger und fragte, ob ich gute Fotos gemacht hätte. „I hope so“ war meine Antwort, denn leider waren die Bedingungen nicht so ideal wie ich sie mir gewünscht hätte.

  

 

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